Weitere Pressemeldungen anzeigen
Zuklappen!
Legen Sie fest welche Pressemitteilungen angezeigt werden.
Ran an die Wissenschaft: Die Chemnitzer Falternächte | Museum für Naturkunde Arbeitsgemeinschaft Insektenkunde_Mailen Drucken
Ran an die Wissenschaft: Die Chemnitzer Falternächte
Chemnitzer Falternacht
Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Insektenkunde am Naturkundemuseum Chemnitz entdecken gemeinsam mit Besuchern die Vielfalt nachtaktiver Schmetterlinge.
Lichtfang
Unser Anliegen: Biologische Vielfalt zu erkennen, zu zeigen und zu erhalten. In manchen Nächten zählen wir mehr als 100 Schmetterlingsarten! Später wollen wir die Ergebnisse unserer Forschung veröffentlichen.
Staunende Gesichter
Eine "Falternacht" in Chemnitz ist immer ein großes Erlebnis für Jung und Alt. Sie lockt neben Schmetterlingen auch Besucher an, die wir mit unserer Begeisterung und unseren Ideen "infizieren".
Brauner Bär
Ein "Brauner Bär" zur Falternacht im Zeisigwald. Für viele Besucher ist es das erste Mal, einen Nachtfalter auf der Hand zu halten.
Köder ausbringen
Tim Hujer sprüht gemeinsam mit den Kindern der Besucher ein Gemisch aus Rotwein und Zucker an verschiedene Bäume, um die nachtaktiven Insekten anzulocken.
Köder absuchen
Später am Abend entdecken die Kinder gemeinsam mit Tim die Nachtfalter, die den Köder angeflogen haben.
Blaues Ordensband
In dieser Nacht wurde ein Blaues Ordensband, der größte heimische Schmetterling, mit einer Flügelspanne von 12 cm gefunden.
Exkursion
Dass Sportler und Musiker jeden Tag trainieren, gilt als selbstverständlich. Doch auch Naturforscher müssen ihren Kopf trainieren, z.B. um ökologische Zusammenhänge besser verstehen zu können. Deshalb haben wir im Jahr 2009 sieben Mehrtagesexkursionen durchgeführt.
Winter-Exkursion
Im Winter nichts los? - Weit gefehlt! Im Winter erforschen wir z.B. die Insekten von Bergbächen und Höhlen und stellen die Ergebnisse in einem Vortrag vor.
Auswertung
AUSWERTUNG wird bei uns groß geschrieben! Einige Insekten müssen zur genauen Bestimmung mitgenommen werden. Im Museum für Naturkunde werden diese sorgfältig präpariert, beschriftet und bestimmt.
Präparation
Die Präparation von Schmetterlingen verlangt äußerste Konzentration und motorisches Geschick.
Beratung
Während der AG-Treffen wird viel diskutiert, z.B. über Möglichkeiten der wissenschaftlichen Etikettierung.
Laborarbeit
Spezielle Präparationstechniken, z.B. die Genitalpräparation von schwer bestimmbaren Schmetterlingen, sind nicht gerade einfach, machen aber um so mehr Spaß.
Magazinarbeit
Wann immer möglich, helfen wir beim Aufbau einer Hauptsammlung im Magazin des Naturkundemuseums. Bei dieser Arbeit lernen wir an den Objekten, was "Vielfalt" bedeutet.


Wer wir sind


Wir sind eine Gruppe von 10 Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 16 Jahren. Wir alle teilen eine Leidenschaft: Insekten. Natürlich haben wir damit das schönste Hobby der Welt! Aber es ist auch anspruchsvoll und braucht Zeit und eine professionelle Betreuung. Deshalb gehören wir zur Arbeitsgemeinschaft (AG) Insektenkunde am Museum für Naturkunde Chemnitz im DAStietz.

Seit Juli 2007 treffen wir uns jeden zweiten Freitag zwischen 14 und 18 Uhr im museumspädagogischen Kabinett. Unser AG-Leiter, Sven Erlacher, ist Zoologe und verantwortlich für die Insektensammlung des Museums. Zu unseren Aktivitäten zählen neben der Arbeit im Gelände auch das Züchten, Präparieren, Mikroskopieren und Dokumentieren von Insekten. Natürlich sind wir auch bemüht, unsere Forschungsergebnisse zu präsentieren.

 


Unser Projekt: Die "Chemnitzer Falternächte"


Wie es begann

 

In Deutschland gibt es mehr als 3.600 verschiedene Schmetterlingsarten. Kein Mensch, nicht mal ein Experte, kann diese Vielfalt noch überblicken. Doch wieviel davon gibt es vor unserer eigenen Haustür? Um diese Frage zu beantworten, gingen wir in den Zeisigwald. Er ist eines der wichtigsten Naherholungsgebiete der Stadt Chemnitz und Herkunftsort des berühmten "Versteinerten Waldes". Die erste nächtliche Exkursion im Juli 2007 machte uns neugierig - und Lust auf mehr.

 

Schon bald fiel uns auf, wie wenig wir eigentlich über Schmetterlinge wussten: Wie lange lebt ein Schmetterling? Was braucht er zum Überleben? Was schädigt ihn? Woran fressen die Raupen und wie entwickeln sie sich? Wie viele Arten kommen in einem Gebiet vor?

 

Uns wurde klar: Wer sich ernsthaft mit Insekten beschäftigen und Kenntnisse von den Arten haben will, kommt um das Anlegen einer Beleg- und Vergleichssammlung nicht herum, ein Foto allein reicht da nicht aus. Mit der Beobachtung und Dokumentation begannen also auch die praktischen Arbeiten, wie das Präparieren, Beschriften und Bestimmen gesammelter Tiere. Sehr bald waren wir alle vollkommen "infiziert"! Die meisten von uns wollen später einmal Entomologen (Insektenforscher) werden.

 

Dank der Unterstützung durch das Museum für Naturkunde Chemnitz geht das Lernen schnell voran. Hier gibt es die notwendigen Materialien sowie Stereomikroskope und Bestimmungsliteratur. Außerdem können wir die Sammlungen und die Fachbibliothek des Naturkundemuseums nutzen. Gemeinsam mit unserem AG-Leiter führen wir viele Wochenend- und Nachtexkursionen durch. Wann immer es möglich ist, können wir im Museum arbeiten und sogar bei der Vorbereitung von Ausstellungen helfen.

 

Mit der Zeit hatten wir das Gefühl, zum Naturkundemuseum richtig dazuzugehören. Das führte dazu, dass wir selbst einmal im Auftrag des Museums arbeiten und mit Publikum in Berührung kommen wollten: Die Idee der "Chemnitzer Falternächte" war geboren!

 

Was wir machen

 

Bei den "Chemnitzer Falternächten" laden wir interessierte Besucher ein, uns bei der Arbeit im Gelände zu begleiten. Unserer Meinung nach können wir die Natur nur schützen, wenn wir sie kennen und verstehen. Deshalb betreiben wir Naturforschung und geben unser Wissen und unsere Ideen weiter.

 

Ein- bis zweimal monatlich, vor allem an Wochenenden, führen wir einen öffentlichen "Lichtfang" im Zeisigwald durch. Dabei fangen wir kein Licht ;-), sondern beobachten und dokumentieren die dort vorkommenden Schmetterlinge. Gemeinsam mit den Besuchern bauen wir mitten im Wald eine helle Speziallampe auf, die mit einem Notstromaggregat verbunden ist. (Natürlich sind diese Aktionen mit der Naturschutzbehörde und dem Forstamt abgesprochen.)

 

Mit dem Einbruch der Dunkelheit leuchtet diese Lampe, was die nachtaktiven Insekten, vor allem Schmetterlinge, magisch anzieht. Diese setzen sich auf ein weißes Tuch und können nun in Ruhe beobachtet und bestimmt werden. Dabei arbeiten wir eigenständig und entdecken gemeinsam mit den Besuchern die Vielfalt der durch das Licht angelockten Schmetterlinge.

 

Indem wir die Arten bestimmen und deren Namen aufschreiben, lernen wir sie allmählich kennen. Wie von selbst ergeben sich dabei ganz neue Fragen, zum Beispiel über den Zusammenhang von Lebensraumzerstörung und Artensterben. Die von uns erhobenen Daten sind eine wichtige Handlungsgrundlage für den praktischen Naturschutz. Sie werden deshalb auch regelmäßig an die verantwortliche Naturschutzbehörde weitergeleitet.

 

Unser Projekt begann im Juni 2008 und läuft seit dem mit großem Erfolg. Als Werbung dienen Flyer, Plakate und Ankündigungen in der Tagespresse und im Radio, wobei uns das Naturkundemuseum unterstützt. Bis jetzt fanden 14 Veranstaltungen statt, die von mehr als 200 Besuchern begleitet wurden. Die Reaktionen haben uns überrascht. Sie reichten von Neugier und Anerkennung bis hin zu regelmäßiger Unterstützung und Mitarbeit. Viele Besucher waren begeistert und einige arbeiten jetzt sogar aktiv mit.

 

Aufgrund des anhaltend großen Interesses wollen wir die "Chemnitzer Falternächte" bis wenigstens Ende 2010 fortsetzen und die Ergebnisse unserer Forschung anschließend in der Schriftenreihe des Museums für Naturkunde veröffentlichen. Die bisher nachgewiesenen ca. 300 Nachtfalterarten, darunter viele in den Roten Listen Sachsens enthaltene, sprechen für sich!

 

Schon jetzt gibt es "Nachahmungen" in Sachsen und Thüringen, die wir mit auf den Weg gebracht haben und bei denen wir aktiv beteiligt sind (zum Beispiel die Falternächte im Schwarzatal bei Bad Blankenburg).


Was uns wichtig ist

 

Unser wichtigstes Anliegen ist es, biologische Vielfalt zu erkennen, zu zeigen und zu ihrem Erhalt beizutragen. Das geht am besten, indem wir uns gegenseitig und die Besucher auf die Fragen des Natur- und Artenschutzes aufmerksam machen. Die Entfremdung gegenüber der Natur ist groß und das Verständnis ökologischer Zusammenhänge gering. Wir Kinder sind dabei, unsere Eltern aufzuklären anhand von Kenntnissen über die Vielfalt und die Gefährdungsursachen der Tiere vor unserer Haustür. Schon jetzt geben wir die neu erworbenen Haltungen an unsere Eltern, Großeltern, Verwandte, Freunde und Bekannte weiter (zum Beispiel durch Vorträge in der Schule, kleinere Führungen im Museum und Exkursionen im Gelände). Dabei ist der Umgang mit dem Publikum für uns neu und manchmal eine große Herausforderung.

 

Im zweiten Jahr der "Chemnitzer Falternächte" läuft vieles besser und mit weniger Lampenfieber. Aber natürlich steht uns auch noch viel Arbeit bevor.

 

Deshalb haben wir uns bis Ende 2010 folgende Ziele gesetzt:

- Weitere Dokumentation der nachtaktiven Schmetterlinge des Zeisigwaldes

- Erforschen von Lebensraumansprüchen und Biologien

- Ableiten von Maßnahmen zur Biotop-Pflege

- Sensibilisierung der Besucher für Fragen des Natur- und Artenschutzes

- Literaturrecherchen und Erlernen spezieller Präparationstechniken

- Übung publikumswirksamer Präsentationen (z.B. Vorträge, Führungen)

- Veröffentlichung unserer Ergebnisse in einer Fachzeitschrift

Video

Weitere Infos:
Organisation:
Museum für Naturkunde
Ort:
Chemnitz
Kooperationspartner:
-
Geografisch


[Nach Oben] - ©  - Kontakt - WegbeschreibungImpressum