Die Gruppe
Die BUNDSpechte Jüchen sind eine Kinder- und Jugendgruppe des BUND. Die 11 Mädchen und Jungen aus den verschiedenen Ortschaften der Gemeinde Jüchen und ihre drei BetreuerInnen bearbeiten jedes Jahr neben den zahlreichen anderen Projekten ein Haupt-Jahresprojekt. 2009 ist es das Thema „Geliebte Wildnis“.
Räumliche Bedingung
Jüchen ist die waldärmste Gemeinde in einer der waldärmsten Regionen Deutschlands. Die Landwirtschaft mit ihren wertvollen Lößböden nutzt jeden Zentimeter Boden, blühende Ackerränder und Hecken fehlen. Der Braunkohlentagebau (Garzweiler) äußert sich in Flächenverlust, Neubau-Umsiedlungsortschaften, Staubbelastung und Grundwasserabsenkung mit Trockenfallen der Bachtäler. In der eigentlich ländlichen Gemeinde Jüchen gleichen sich die Orte leider immer mehr sterilen Vorstädten an. Dorfflora, ruderale Flächen, Feldgehölze, Obstwiesen und alte Bäume sind kaum mehr zu finden.
Auch in den Gärten wird die Natur leider oft tot gepflegt.
- die Grünflächen und Wege sind bis in die letzten Ecken geputzt,
- es werden keine Pflanzen geduldet, die nicht selbst eingepflanzt wurden,
- alles Verblühte, Trockene wird abgeschnitten und aus dem Garten entfernt.
Einsatz für die Artenvielfalt, global und regional
Bereits mit einigen anderen Aktionen unterstützen die BUNDSpechte den Erhalt von Pflanzen- und Tierarten, z. B. in den tropischen und borealen Urwäldern. So informieren sie mit ihren Recyclingpapieraktionen zum umweltfreundlichen Schultornister und 1x/Monat mit den Recyclingpapiertagen im Gymnasium über den Zusammenhang zwischen Papierverbrauch und Urwaldvernichtung.
Die Kork-Sammelaktion wiederum dient dem Schutz der Korkeichenhaine und der auf diesen wertvollen Lebensraum angewiesenen Tiere. Außerdem wird durch das Recyceln ein zu häufiges Abschälen der Korkeichen verhindert, und der umweltfreundliche Rohstoff Kork ins öffentliche Bewusstsein gebracht. Den Erlös aus der Kork-Sammlung überweisen die BUNDSpechte vollständig an die Stiftung Euronatur, die sich für den Schutz der Korkeichenhaine einsetzt, und damit für den Lebensraum vieler Tiere und für das Überwinterungsgebiet der Kraniche.
So bezahlen die BUNDSpechte mit dem Erlös aus ihrer CD-Sammlung die Patenschaft für eine alte Haustierrasse. Mit Jüchener Wasser tauften die BUNDSpechte ihre weiße gehörnte Heidschnucke auf den Namen "Wuschel".
Die Handy-Sammelaktion trägt zum Schutz der Berggorillas im Kongo bei, denn durch das Recyceln der Althandys muss das in ihnen enthaltene wertvolle Coltan nicht im Lebensraum der Berggorillas abgebaut werden.
Doch Artenschutz ist auch vor der eigenen Haustür nötig. Aus dem Erlös der Handy-Sammlung kaufen die BUNDSpechte alte Obstbaumsorten und pflanzen sie auf Schulhöfe und in Kindergärten der Gemeinde.
Da der Weg bis zu einer ausgewogenen Artenvielfalt in Jüchen noch lang ist, wollten die BUNDSpechte mit einem weiteren Projekt die Artenvielfalt erhöhen.
Das Projekt "Geliebte Wildnis"
Mit dem „Aufräumen der privaten und öffentlichen Grünflächen“ geht nicht nur das Natur-Umfeld und die „Landidylle“ verloren, sondern auch der Artenreichtum von Pflanzen und Tiere. Brut- und Überwinterungsstellen fehlen, Lebensräume für Wildpflanzen und Tiere werden vernichtet. Die Artenvielfalt ist unter solchen Bedingungen in Jüchen extrem gering. Weder „guter Heinrich“, noch Klatschmohn, Kornblume oder Ehrenpreis, keine Malve oder Zymbelkraut hat so eine Chance, zu wachsen und zu blühen, die Schmetterlinge sind rar geworden, weil ihre Raupen kein Futter finden.
Um den einheimischen Pflanzen und Tiere eine Chance zum Überleben, bzw. zur Wiederansiedlung zu geben, ist auch ein Umdenken der vielen Eigenheimbesitzer nötig. Ermahnungen und allgemein gehaltene Appelle haben keine Aussicht auf Erfolg. Deswegen hat sich die BUNDSpecht-Gruppe eine Aktion ausgedacht, wie sie das Thema „Wildnis“ positiv besetzt an die Jüchener BürgerInnnen herantragen kann. Die Schönheit und der Wert der einheimischen Natur soll den Jüchenern wieder näher gebracht werden.
Aktionsstruktur
Startschuss der Aktion „Geliebte Wildnis“ war im April 2009.
Die Aktion läuft in drei Parallelsträngen:
- Zusammenarbeit mit der Ortsgruppe des BUND und der Gemeindeverwaltung
- Gartenaktion mit allen Jüchener EinwohnerInnen
- Öffentlichkeitsarbeit mit Presse und Ausstellung
ad 1. Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung
Über die Ortsgruppe Jüchen des BUND werden die „Wildnisplanungen“ im Gemeindegebiet an die Gemeindeverwaltung herangetragen. Dazu gehören Anträge/Vorschläge/Planungen und Ortsbesichtigungen für eine naturnahe Gestaltung der gemeindeeigenen Flächen.
Auf zwei ökologischen Ausgleichsflächen säten die BUNDSpechte im Juni ihre Schmetterlingsblumen-Mischungen aus (300 + 200 qm). Schilder weisen Spaziergänger auf die „Geliebte Wildnis“ hin.
ad 2. Gartenaktion mit den Jüchener BürgerInnen
Mit diesem Aktionsteil sollen die Eigenheim- und Gartenbesitzer angesprochen werden und als Teilnehmer der Aktion gewonnen werden. Ziel ist es, die Angst und Abneigung vor der „wilden“ Natur abzubauen. Während der Informationsveranstaltungen haben die BUNDSpechte zahlreiche Passanten angesprochen, über die Aktion informiert und für die Teilnahme geworben. Jeder Teilnehmer sollte einen kleinen Teil des Gartens der Natur zur Gestaltung überlassen. Dafür erhielten sie einen eigens dafür angefertigten Bodenstecker mit dem laminierten Schildchen “Geliebte Wildnis“. Dieses sollte vor die ausgesuchte Gartenfläche gesteckt werden. Viele Gartenbesitzer haben Angst, als unordentlich zu gelten, wenn sie den Garten nicht „durchpflegen“. Deswegen soll ihnen mit diesem Schildchen eine sichtbare Erklärung für den „wilden“ Zustand des Gartenstückes an die Hand gegeben werden. Da der Wildnis-Bereich begrenzt ist, kann der Gartenbesitzer auch entspannter an die sich einstellende Wildnis herangehen.
Die Teilnehmer wurden nun von den BUNDSpechten über die Aktionsdauer weiter begleitet, und in die Aktion weiter eingebunden, indem sie aufgefordert wurden, dieses Stück zu beobachten und möglichst Fotos von ihrer Wildnis zu machen, wo diese besonders interessant ist, oder ein besonders liebenswertes oder schöne Detail.
Außerdem konnten sich die Teilnehmer in einen email-Verteiler eintragen, über den sie in lockerer Reihenfolge Informationen zu „Geliebter Wildnis“ erhielten.
Zur Mitgestaltung an der Ausstellung wurden die Teilnehmer ausdrücklich aufgerufen.
ad 3. Öffentlichkeitsarbeit
Die Öffentlichkeitsarbeit verteilte sich auf mehrere Schwerpunkte
- allgemeine Pressearbeit: Alle Aktionen wurden über Pressemitteilungen in die Öffentlichkeit gebracht.
- Zeitungsserie: Im amtlichen Mitteilungsblatt, das wöchentlich an alle Haushalte verteilt wird, schreiben die BUNDSpechte eine Serie zur „Geliebten Wildnis“, in der jeder BUNDSpecht ein Thema vorstellt.
- Informationsstände: In den Siedlungsschwerpunkten hatten die BUNDSpechte Informationsstände aufgebaut und über die Aktion informiert und Teilnehmer für die Aktion geworben.
- Auf der Homepage des BUND Jüchen (www.bund.juechen.de) werden die Themen und Aktionen veröffentlicht.
- Auf den Aussaatflächen im Gemeindegebiet weisen Informationsschilder Spaziergänger auf die „Geliebte Wildnis“ hin.
- Die veröffentlichten Tipps zur Geliebten Wildnis werden als Broschüre an Interessierte abgegeben.
- Ausstellung: Zum Abschluss der Aktion wird im Rathaus eine Ausstellung zusammengestellt. Diese nimmt die drei Grundstränge der Aktion wieder auf:
- „Geliebte Wildnis“ in der Gemeinde Jüchen (Karte, in der die Naturelemente und Ökoflächen eingezeichnet sind, sowie die Orte, wo Teilnehmer „Geliebte Wildnis“ im Garten dulden)
- Gartenaktion: Die Fotos der Teilnehmer werden thematisch zusammengefasst
- Die Themen der BUNDSpechte werden als Plakate dargestellt.
- Elemente eines naturnahen Gartens werden in Modellen vorgestellt.

